Rentenversicherungspflicht für freiberufliche Hebammen

Normalerweise sind Selbständige von der Sozialversicherungspflicht befreit. Für Hebammen gilt allerdings eine Sonderregel. Sie sind ausdrücklich rentenversicherungspflichtig (§ 2 Nr. 3 SGB VI). Zuständig ist die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV, vorher Bundesversicherungsanstalt für Angestellte - BfA).

Ab wann sind Sie rentenversicherungspflichtig?
Die Frage ob man Beiträge zahlen muss, richtet sich nach der Höhe des voraussichtlichen Gewinns im laufenden Jahr: Wenn Ihr durchschnittlicher monatlicher Gewinn aus freiberuflicher Arbeit im laufenden Jahr die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt, sind Hebammen rentenversicherungspflichtig. Dies gilt auch für freiberufliche Nebentätigkeit, Einnahmen aus der angestellten Tätigkeit werden nicht hinzugerechnet (Hinweis: bis vor ein paar Jahren war nebenberufliche freiberufliche Arbeit ab dem ersten Euro versicherungspflichtig).

Wichtig ist auch, dass die Hebamme auch für freiberufliche Tätigkeiten, die sie neben ihrer Angestelltentätigkeit erbringt, rentenversicherungspflichtig ist, sofern sie monatlich mehr als die Geringfügigkeitsgrenze von 450,00 Euro erzielt.

Die Beitragshöhe
Wenn Sie rentenversicherungspflichtig sind, haben Sie drei Möglichkeiten:
1. Die Beitragshöhe berechnet sich aus dem Beitragssatz und der Bezugsgröße für den Regelbeitrag. Das ist der Standard, falls kein anderslautender Antrag gestellt wurde. Dies ist nur günstig bei einem Gewinn oberhalb der Bezugsgröße.
2. Auf Antrag kann im Jahr der Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit und für weitere drei Jahre auch nur der halbe Regelbeitrag gewährt werden.
3. Auf Antrag kann an Stelle der Bezugsgröße auch der tatsächliche Gewinn zu Grunde gelegt werden. Dazu schicken Sie Ihren letzten festgesetzten Steuerbescheid an die DRV. Dies ist sinnvoll bei einem Gewinn unterhalb der Bezugsgröße.
Liegt noch kein Steuerbescheid vor, bzw. gibt es darin noch kein Einkommen aus freiberuflicher Arbeit, muss das Einkommen geschätzt werden. Unterscheidet sich der geschätzte Wert vom später tatsächlich erzielten Gewinn, erfolgt weder eine Nachforderung noch eine Erstattung von Beiträgen.

Sonstiges:
Für den Antrag sind Sie selbst verantwortlich. Es gibt keine Stelle, die Sie automatisch anmeldet. Daher gibt es zahlreiche Hebammen, die nicht bei der Deutschen Rentenversicherung bekannt sind. Wird nachträglich festgestellt, dass Sie sich trotz Versicherungspflicht nicht gemeldet haben, müssen Sie Beiträge für maximal vier Jahre nachzahlen (Falls Ihnen Vorsatz nachgewiesen wird, sind bis zu 30 Jahre nachzuzahlen und es ist ein Bußgeld denkbar).

Es gibt keine Ausnahmen von den oben genannten Regelungen. Meldungen, nach denen die Versicherungspflicht entfällt, wenn man versicherungspflichtige Angestellte beschäftigt, treffen zwar für andere Berufsgruppen zu, aber nicht für Hebammen.
Beitragsbescheide der Deutschen Rentenversicherung sind häufig falsch. Sie werden jedoch trotzdem nach einem Monat rechtskräftig. Es empfiehlt sich daher einen Bescheid sofort nach Erhalt sorgfältig zu prüfen und ggf. Widerspruch einzulegen.

Die Rentenversicherungspflicht endet mit der freiberuflichen Hebammentätigkeit.

Maßgeblich für die Beitragshöhe ist nur das Einkommen aus freiberuflicher Hebammentätigkeit. Andere selbständige Einkommensbereiche gehören nicht dazu.

Beiträge zur Rentenversicherung sind keine Betriebsausgaben.