Abrechnung von Auslagen

Alle Angaben dieser Seite wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Aufgrund der Komplexität übernehmen wir jedoch keine Gewähr. Bei Unklarheiten holen Sie bitte juristischen Rat, beispielsweise bei Ihrem Berufsverband.

Der Kassen-Vergütungsvereinbarung unterscheidet zwischen Arzneimitteln und Verbrauchsmaterialien. Für die Abrechung von Arzneimitteln ist eine Einzelauflistung notwendig, während Verbrauchsmaterial über Pauschalen erstattet wird.
Um festzustellen, ob eine Auslage (Arzneimittel) erstattungsfähig ist, kann der HebRech Auslagen-Assistent interessante Hilfestellung geben.

Unterschied zwischen Arzneimitteln und Materialien

Verbrauchsmaterialien werden über Pauschalen ohne Einzelauflistung abgerechnet. Die Pauschalen werden in HebRech automatisch berücksichtigt. Eine Übersicht über die Pauschalen finden Sie bei den Vergütungsvereinbarungen.

Arzneimittel werden per Einzelauflistung abgerechnet. Es dürfen nur apothekenpflichtige Arzneimittel von den Kassen übernommen werden. Als weitere Einschränkung gibt es Regelungen für die Wirtschaftlichkeit und die Wirksamkeit. Damit fallen beispielsweise gängige Fertigpräparate wie Kräuterblutsaft, Retterspitz, Moxazigarren und sämtliche fertigen Teemischungen und Öle aus der Erstattungsfähigkeit. Auch Bachblüten, Aromatherapie und Bäder werden nicht von den Kassen bezahlt. Dagegen werden Homöopathika und Phytopharmaka fast ohne Ausnahme erstattet.

Rezepturen
In vielen Fällen können sich Hebammen jedoch behelfen, indem sie selbst Rezepturen ausstellen, die in der Apotheke zubereitet werden. Individuelle Rezepturen aus der Apotheke sind erstattungsfähig, wenn keine unzulässigen Komponenten enthalten sind.

Tätigkeitsbereich der Hebamme
Grundsätzlich sind nur Auslagen erstattungsfähig, deren Anwendung in den Tätigkeitsbereich der Hebamme fällt. Hebammen sind nur zuständig bei regelmäßigen Vorgängen oder Befindlichkeitsstörungen bei Mutter und Kind rund um die Geburt. Als Anhaltspunkt dient eine Indikationenliste, die von den Berufsverbänden erarbeitet wurde. Die Liste der Indikationen finden Sie im HebRech Auslagen-Assistent.

Auslagen ohne Erstattung
Arzneimittel bzw. Materialien, die nicht von der Kasse übernommen werden, müssen von den Frauen selbst bezahlt werden (oder Sie verschenken sie). In diesen Fällen erscheint es praktikabel, die Frauen selbst zum Einkaufen zu schicken.

Unterschiede zu Ärzten
Hebammen dürfen Arzneimittel oder Materialen nicht verschreiben, sondern nur 'verbrauchen' oder 'zur weiteren Verwendung überlassen'. Ärzte dürfen dagegen nichts weitergeben, sondern nur verschreiben. Es gelten zwei gravierende Unterschiede:
1. Die Auslagenerstattung bei Hebammen ist zuzahlungsfrei.
2. Bei Hebammen werden apothekenpflichtige Arzneimittel, sowie Homöopathika und Phytopharmaka erstattet. Bei Ärzten ist die Erstattung auf verschreibungspflichtige Mittel beschränkt.

Welche Auslagen sind erstattungsfähig?

Erläuterungen zur Grafik

Für die Erstattungsfähigkeit von Auslagen durch die gesetzlichen Krankenkassen spielen zahlreiche Gesetze eine Rolle. Einige Regelungen stehen direkt im Kassengebührenvertrag, andere im Sozialgesetzbuch (SGB V), im Arzneimittelgesetz (AMG) oder in den Berufsordnungen. Mit der folgenden Grafik möchten wir Ihnen die Übersicht erleichtern.

Produktgruppen

Zur Klärung der Erstattungsfähigkeit muss man folgende Gruppen getrennt betrachten:

  • Diätika, Tabakerzeugnisse, Kosmetika, Lebensmittel und Körperpflegeprodukte werden nicht erstattet.
  • Unter Medizinprodukten versteht man Instrumente, Apparate und Stoffe, die für medizinische Zwecke bestimmt sind und deren Wirkung - im Gegensatz zu Arzneimitteln - nicht auf pharmakologischem Weg erreicht wird. Medizinprodukte werden unterteilt in Praxisbedarf, der nicht erstattet werden darf und erstattungsfähiges Verbrauchsmaterial. Verbrauchsmaterial wird über Pauschalen erstattet. Zur Unterscheidung der beiden Gruppen finden Sie im HebRech Auslagen-Assistenten einige Beispiele.
  • Für Arzneimittel gelten nachfolgende Regelungen:

Regelungen für Arzneimittel

Apothekenpflicht
Eine wichtige Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln ist die Apothekenpflicht. Eine interessante Sonderrolle spielen hier die Rezepturen. Auch wenn die einzelnen Zutaten (z.B. Kräuter) nicht apothekenpflichtig sind, ist die Rezeptur selbst apothekenpflichtig.

Verschreibungspflicht
Hebammen dürfen keine verschreibungspflichtigen Medikamente nutzen; damit können diese auch nicht erstattet werden. Ausnahmen bilden lediglich Fenoterol, Oxytocin und Methylergometrin.

Bagatellerkrankungen
Ausgeschlossen vom Leistungskatalog der Kassen sind Arzneimittel gegen sogenannte Bagatellerkrankungen (nur bei Erwachsenen, nicht bei Kindern bis 18 Jahre):

  • Arzneimittel gegen Erkältungskrankheiten.
  • Abführmittel bei Verstopfung. Dies gilt jedoch nicht, wenn Abführmittel aus medizinischen Gründen verabreicht werden (z.B. zur Geburtseinleitung).
  • Mund- und Rachentherapeutika.
  • Arzneimittel gegen Reisekrankheit.

Die Gruppen der Arzneimittel

  • Arzneimittel der nicht anerkannten Therapieverfahren sind grundsätzlich nicht erstattungsfähig. Dazu gehören Bachblüten, Bäder und Aromatherapie.
  • Homöopathika mit der Untergruppe der Antroposophie sind prinzipiell erstattungsfähig. Ausgenommen sind lediglich Substanzen, die negativ monographiert sind. Sämtliche negativ-monographierten Mittel wurden in Negativlisten zusammengefasst. Die Negativliste der Einzelsubstanzen, wie die der Fertigpräparate, finden Sie im HebRech Auslagen-Assistenten.
  • Arzneimittel der Phytotherapie werden ebenfalls erstattet. Unter Phytopharmaka versteht man Arzneimittel, deren Wirkstoff aus Pflanzen hergestellt wird. Die pflanzlichen Inhaltsstoffe heißen in der Fachsprache Drogen. Umgangssprachlich werden Drogen häufig auch als Tee bezeichnet. Phytopharmaka werden sowohl als Kombinations- als auch als Monopräparate verabreicht. Ausgenommen von der Kostenübernahme sind negativ monographierte Drogen. Eine Negativliste ist im HebRech Auslagen-Assistenten enthalten.
  • Eine Sonderstellung nehmen Rezepturen ein. Rezepturen werden aufgrund einer Verordnung der Hebamme in einer Apotheke zubereitet. Da Rezepturen auf der Zusammenstellung von Drogen beruhen, muss auch hier die Liste der Negativmonographien beachtet werden. In HebRech finden Sie eine komfortable Hilfe zum Erstellen von Rezepturen (siehe unten).
  • Allopathische Arzneimittel der Schulmedizin liegen in der Regel als Fertigpräparat vor. Sie sind erstattungsfähig, wenn sie nicht auf der Negativliste aufgeführt sind. In der Negativliste sind Präparate enthalten, die als unwirtschaftlich gelten oder deren Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Dazu gehören beispielsweise Arzneimittel mit mehr als drei Wirkstoffen. Eine komplette Negativliste finden Sie im Auslagen-Assistenten von HebRech.
  • Für einige Wirkstoffgruppen gibt es im Gebührenvertrag die Einschränkung, dass sie nur unter der Bedingung abgerechnet werden dürfen, wenn die kleinste Packungsgröße verwendet wurde. Eine Übersicht der Bedingungen finden Sie in der folgenden Grafik rechts unten. Die genaue Formulierung können Sie dem Vertragstext entnehmen.

Liste der Arzneimittel/Materialien

HebRech enthält umfangreiche Beispiellisten von erstattungsfähigen Arzneimitteln bzw. Materialien. Die Listen enthalten eine Sammlung von gängigen Auslagen mit den aktuellen Apothekenpreisen. Sie können den Inhalt der Listen, sowie die Preise selbst auf Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen.

Auslagen-Assistent

Möchten Sie die Materialliste um eigene Einträge erweitern, steht der komfortable Auslagen-Assistent zur Verfügung. Dieser stellt Ihnen Fragen in Form eines Interviews. So können Sie schnell entscheiden, ob die betreffende Auslage erstattungsfähig ist oder nicht.

Rezepturen

In HebRech finden Sie eine komfortable Möglichkeit zum Ausstellen von Rezepturen. Die Funktion finden Sie unter Druckform.

Der praktische Ablauf sieht folgendermaßen aus:

  1. Sie erstellen eine individuelle Rezeptur und bringen diese zur Apotheke.
  2. Die Apotheke bereitet die Rezeptur zu und quittiert den Preis auf dem Formular.
  3. Sie geben den Gesamtpreis auf Ihrer Rechnung an die Kasse an (Auslagen mit Beleg) und bewahren die Rezeptur mit Quittung für Ihre Buchhaltung und für Nachfragen der Kassen auf.